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05.01.2021 09:00

Von A wie Abwehrmechanismus bis T zur Traumatherapie

„Peinlich!“ Kennst du das Gefühl, wenn es dir heiß und kalt zugleich wird und die Hitze ins Gesicht steigt? Schamgefühl hat eine sehr niedrig schwingende Frequenz und zieht dein Energieniveau herunter. Freude und Selbstbewusstsein schwingen höher, wofür entscheidest du dich und wieso schämen wir uns eigentlich?

„Schäm dich!“ Als ich mit etwa 6 oder 7 Jahren stehend in die Badewanne pinkelte, die ich mir mit meiner kleinen Schwester teilte, petzte diese unserer Mutter mein provokantes Verhalten, mit der ich ihr bewiesen hatte: „Siehst du. Und ich mache es doch!“ 

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Ich erhielt strafende Blicke, wurde ausgeschimpft und beleidigt. Wie sollte ich aus dieser unangenehmen Lage heraus kommen? Auf der einen Seite fühlte ich mich mächtig und erhaben, schließlich hatte ich die Macht über meine Blase und meine Entscheidungen demonstriert, auf der anderen Seite schämte ich mich bis auf die Knochen (oder eher bis auf die nackte Haut) vor meiner Mutter, der ich doch unbedingt gefallen wollte.

Ich erinnere mich noch genau, dass ich aus Scham und Verlegenheit abwehrend lachte, wodurch andere Gefühle wie Schuldbewusstsein und Verzweiflung, fortan wohl nicht mehr von meiner Mutter geliebt zu werden, aber auch Zorn auf meine petzende Schwester, die mich verraten hatte, in mir Raum einnahmen.

Nach Sigmund Freud, dem Ur- Vater der Psycho- Analyse, wählt die Seele sogenannte unbewusste Abwehrmechanismen wie z. B. Verdrängung, Verleugnung, Unterdrückung oder auch autoaggressives Verhalten (nicht der andere ist der Feind, sondern die Aggression richtet sich gegen sich selbst), wenn noch keine anderen Bewältigungsstrategien zur Verfügung stehen.

Wieso ist es daher so wichtig, sich seiner Gedanken bewusst zu sein? In meinem Beispiel über Scham und Schuld hatte ich mich über mich selbst so geärgert und hätte mich am liebsten in Luft aufgelöst. Dieses Gefühl hatte ich über Jahre verdrängt, sodass mir Vieles in meinem Leben peinlich wurde. Das Gehirn konnte nicht mehr unterscheiden, ob jetzt nur diese eine Situation peinlich ist oder alles, was beim Gegenüber abgewertet werden könnte. 
Körperliche Reaktionen erschwerten das Versteckspiel ungemein und sorgten für einen langfristigen Anstieg der Stresshormone. Mein Gesicht errötete, Angst- Schweiß wurde riech- und sichtbar und ich war jahrelang Undercover mit aufgesetzten Masken des unschuldigen, lieben, freundlichen, bescheidenen Mädchens unterwegs, das niemals in eine Badewanne pinkeln könnte!

Diese uns unbewussten, also nicht greifbar- erklärlichen Gefühle oder Verhaltensweisen entstehen in Situationen des größten Stresses oder in einer Zeit, in der wir keinen anderen Ausweg sehen. Als Kinder sind wir definitiv abhängig von unseren Eltern. Sie haben das Sagen und was sie befehlen ist Gesetz. Oder nicht? Was, wenn wir als kleines Kind nicht von unseren Eltern versorgt würden? Es ist ein unbeschriebenes Gesetz: Sorg dafür, dass ich Nahrung, Schlaf und Kleidung erhalte, sodass mein Überleben gesichert ist.

Es geht dem Gehirn, dem Reptiliengehirn, um es genauer zu benennen, schlicht und einfach um das Überleben. Wenn wir als Kinder traumatische Erfahrungen machen, die Eltern trennen oder streiten sich permanent, der Tod eines geliebten Menschen, Gewalttaten jeglicher Art (physisch und/oder psychisch) oder auch Ausgrenzungen, Beleidigungen und Verletzungen der eigenen Persönlichkeit wie Mobbing, Demütigung, können diese verstörenden Erlebnisse tiefe Wunden aufreißen und Spaltung seelischer Aspekte die Folge sein.
Selbst visuelle Gewalt wie Szenen im Fernsehen oder in Videospielen benötigen Bewältigungsstrategien, daher ist für Kinder ein zu früher Einblick in diese Welt für die emotionale Entwicklung sehr ungünstig, um es vorsichtig zu formulieren!

Unreife Antworten/ Reaktionen haben demnach eine Ursache und die hat es verdient, zu einem angemessenen Zeitpunkt ausgepackt, angeguckt und verarbeitet zu werden. Das Gefühl von Scham in meinem Falle wurde von mir als „schlecht“ bewertet und viele Jahre ins Exil geschickt. Alle schlechten/ bösen Eigenschaften… weg damit! 

Hast du schon einmal versucht, einen Wasserball unter die Wasseroberfläche zu drücken? Es gelingt kurze Zeit, aber es wird dir nicht gelingen, der Ball schellt irgendwann – BAM! an die Oberfläche.

So ist es mit unseren abgespaltenen, verdrängten oder verleugneten Anteilen ebenfalls. Sie sind sowieso da! Leugnen zwecklos.
Wir könnten also die Ärmel hockrempeln, unsere weiseste Version von uns selbst visualisieren und mit diesem Gefühl verhandeln, das uns ja so überhaupt nicht bekannt vorkommt oder unseren Puls bis zum Hals schlagen lässt, wenn wir nur daran denken.

Eine willensstarke Intention  ist ein guter Start für Veränderung: „
Von jetzt an bin ich mit allen inneren Aspekten von mir einverstanden. Sie sind sowieso da, also lerne ich sie kennen und lasse meine Erwartungen los! Ich befreie mich von alten Überzeugungen und öffne mich für Heilung und die Integration all meiner Anteile. Ich bin in Frieden. Ich bin!“ Die Intention sollte positiv formuliert, klar und überzeugend, realistisch, also machbar und gefühlsmäßig auf der Körperebene akzeptiert werden. 

Wir könnten auch neue Fragen stellen, die unser Unbewusstes neugierig auf die Suche nach neuen Antworten einstimmt: „Was brauche ich jetzt, um die Wahrheit ausdrücken zu können?“ „Wofür kann diese Lernerfahrung ihren Zweck erfüllt haben?“ „Was würde ich tun, wenn ich diese Angst nicht hätte?“ „Wie kann ich mein wahres ICH zum Ausdruck bringen?“

Der Bibliothekar deiner unbewussten Schaltzentrale darf wachgerüttelt werden und sollte nicht auf „Warum ich?“ „Wieso habe ich solche Angst?“ „Warum kann ich nicht einfach glücklich sein?“ mit alten, vertrauten und bekannten Antworten reagieren.

Jeder Gedanke über uns bringt ein gewisses Schwingungspotenzial mit und ist somit verantwortlich für unsere Gefühle. Auch wenn wir es nicht kontrollieren können, woher der nächste denkende Gedanke kommen wird, wir können lernen bewusster zu sein und unsere unangenehmen Gedanken anerkennen, loslassen und mit einer klaren Ausrichtung auf unsere Absicht das Leben achtsamer mitgestalten.

Wir sind Schöpfer und gestalten mit unserem Gedankengut unsere Zukunft. Ist dir das bewusst?

Wichtig:
Je unreifer die Abwehrmechanismen sind, desto traumatischer kann die gemachte Erfahrung für uns sein und bedarf den richtigen Rahmen: Situation, Zeitpunkt, emotionale Sicherheit, fachliche Kompetenz, Vertrauen und Empathie sind für eine gewinnbringende Therapie Voraussetzung und von höchster Bedeutung.
Daher zögere nicht, dir Hilfe zu holen, Trauma- Bewältigung sollte nicht allein, sondern an therapeutischer Seite stattfinden!