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21.02.2021 09:00

Masken fallen lassen - zeig dich echt!

„Was sagen wohl die Nachbarn…“ 1989 lernte ich in der Silvesternacht einen Jungen aus den damals neu dazu gewonnenen Bundesländern kennen. Wohl gemerkt nur „kennen“, es gab bis auf Umarmungen keine Intimitäten. Als eines Tages der Torsten mit seinem Trabbi bei uns vor der Tür stand und über Nacht blieb, fragte sich meine Mutter tatsächlich, was denn wohl die Nachbarn dazu sagen würden, wenn die erste Ost- West- Hochzeit bei uns in der Straße stattfinden würde. Ganz ehrlich? 

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Warum eigentlich gleich Hochzeit? Und wieso wäre das wichtig gewesen, wie Andere von uns/ mir denken?
Es ist mir hunds-piep-egal, was Herr Müller von mir denkt. Oder Frau Schmidt. Gefallen können wir sowieso nicht jedem, so viele Masken aufzusetzen, um allen gefallen zu können, wäre einfach nur anstrengend und zermürbend.

Damals war es mir nicht egal gewesen. Unbewusst hatte ich viel auf die Meinung meiner Mutter gegeben, die Freundschaft löste sich damals nach kurzer Zeit auf, ich habe nichts mehr von dem Jungen gehört und geheiratet habe ich 1996 meinen Mann Thomas, den mir meine Mutter allerdings auch irgendwie zugespielt hat, indem sie sagte, ich werde meinen Mann in der Fahrschule kennen lernen… müssen Mütter eigentlich „immer“ alles besser wissen ;)

Die Nachbarn sind also wichtig, die Lehrer sollen eine gute Meinung von mir haben, dem einen Jungen möchte ich gefallen, mein Chef sollte stolz auf mich sein und mir Wertschätzung entgegenbringen, die neue Clique muss mich mögen, ich könnte noch vieles mehr an Situationen auflisten, die uns zu dem gemacht haben, die wir heute sind.
Auf der einen Seite wird es uns vorgelebt, als Kinder kopieren wir unsere Eltern, um auch von ihnen geliebt zu werden. Die Überlebensstrategien sind eindeutig und berechtigt. Auf der anderen Seite wählen wir (un)bewusst, denn mein Verhalten ruft eine Reaktion hervor, die, je nach gemachter Erfahrung, erfolgreich oder nicht erfolgreich bei der Erfüllung meiner Bedürfnisse gewesen ist und dann als reaktives Muster in meinem Überleben sichernden Gehirnbereich abgespeichert wird.

Welche Maske wählst du (un)bewusst, um deine Ziele zu erreichen und deinen Willen durchzusetzen? Darf ich vorstellen, hier einige Farbbeispiele und Möglichkeiten:

Maske 1- die rote- : die Fröhliche! Immer gut drauf. Lustig, unterhält dich sehr erfrischend. Den Humor mit Löffeln gefressen, witzig und schlagfertig, stets lächelnd oder grinsend unterwegs.
Maske 2 – die grüne-: natürlich, locker und gelassen. Ein sehr entspanntes Wesen, geerdet, Natur verbunden, liebt viele Spaziergänge, das blühende Kraut, die bunten Blumen, den Regen. Nichts kann sie umhauen, der Charakter ist flexibel, anpassungsfähig und souverän. 
Maske 3 -  die orangene-: spritzig, energiegeladen, weiß was sie will. Die Kreativität fließt, die Energie ist aktiv und mobilisierend. Ein purer Tatendrang ist zu vernehmen. Ein gern gesehener Gast auf Partys.
Maske 4 – die blaue-: Gleichgültigkeit, das geht mich nichts an. Unnahbar und kühl ist ihre Wirkung. Emotionen? Lass ich nicht an mich heran. Ich will meine Ruhe! Isoliert und zurückgezogen, der Hang zu Melancholie und depressiven Stimmungen wird deutlich. Null Bock auf Veränderung! Der Vorteil liegt klar in dem Allein-sein und abgrenzen können. Nichts Schlechtes kommt in mein Herz. Und auch nichts Gutes. Nichts hat wirklich eine Bedeutung. Loslassen ist der positive Aspekt!
Maske 5 – die gelbe-: zurückhaltend, bescheiden und schön anzusehen. Offene Ohren für Andere, hilfsbereit und zuvorkommend, bei Hilfe-suchenden sehr willkommen. Aufopfernd, gutmütig, ein liebenswerter Mensch, der unauffällig mit schwimmt und sein Überleben durch Anpassung sichert. Bei neuen Aufgaben und Erwartungen ein gern gewählte Maske.
Maske 6 – die violette-: Was gibt es wo anzupacken? Die Macherin ist zur Stelle und packt an, ist lösungsorientiert und liebt Veränderung! Pure Lebensenergie ist zu spüren, Begeisterung und Euphorie. Abschreckend für den "bloß-nichts-verändern-wollen Typen". Ein Geschenk für Menschen mit Entscheidungsschwierigkeiten.

Und es gibt natürlich noch mehr Farben, das Spektrum ist sehr vielfältig. Je nach Mischung entsteht ein anderer Ton, ein anderer Aspekt von mir. 
Was wäre, wenn wir zu diesen Farbmustern in uns stehen würden? Alles darf sein, je bunter, desto mehr Möglichkeiten und Perspektiven wären zu erkennen! 

Wie wäre es, frei zu sein von zwanghaften Gedanken, Erwartungshaltungen und (Ver-)Urteilungen? Warum kann ich meine Energie kraftvoll, selbstbestimmt und großzügig für meine eigentlichen Wünsche und Bedürfnisse einsetzen?

Wenn die Masken fallen, die ich irgendwann in meinem Leben bewusst oder unbewusst aufgesetzt habe, bin ich verletzlich und empfindsam- ja! Auch der Schmerz wird spürbar, wenn ich erkenne, dass es Ressourcen/ Stärken gibt, die ich gebrauchen könnte, die aber noch nicht ausgeprägt sind.

In der Empfindsamkeit wird das Potenzial,
die Farbenvielfalt allerdings erst wirksam.
Wenn ich mich berühren lasse von dem Schmerz in mir,
kann es heilen und wie eine neue Ressourcen- Blume
in mir aufblühen!
Der globale Schmerz wird somit spürbar(er) und wird in mir den Wunsch
nach Heilung wecken, sodass ich bewusst(er) und achtsam(er)
mit mir und meiner Umwelt umgehen kann.

Welche Masken bist du heute bereit abzulegen? 
Du wirst gebraucht. Du bist wichtig. Deine Farbmuster sind einzigartig, grandios und ein Geschenk für dich und mich. Für uns!